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Bio-Futtersoja in Bayern

Gerade im Ökolandbau besteht der Anspruch, möglichst regionale und auf dem eigenen Betrieb erzeugte Futtermittel einzusetzen. Da es vor allem an heimischen Eiweißfutterkomponenten mangelt, ist der verstärkte Anbau von Leguminosen zukunftsweisend für den ökologischen Landbau. Die Sojabohne spielt hierbei aufgrund der hohen Rohproteingehalte und des günstigen Aminosäuremusters eine wichtige Rolle zur Deckung der Eiweißlücke vor allem bei der Ernährung von Geflügel und Schwein. Aus diesem Grund beteiligt sich die LVÖ Bayern e. V, die Dachorganisation der biologischen Anbauverbände in Bayern, als einer von vier Verbundpartnern am bundesweiten Soja-Netzwerk. Ein Aufgabenschwerpunkt der LVÖ liegt beim Aufbau und der Betreuung modellhafter regionaler Wertschöpfungsketten für ökologisch erzeugtes Futtersoja unter Einbeziehung von:

  • Erzeugern
  • Erzeugergemeinschaften (Erfassung, Lagerung, Aufbereitung, Qualitätsfeststellung)
  • Verarbeitungsunternehmen (thermische Aufbereitung, Futterherstellung)
  • Veredelungsbetrieben (Verwertern)

Aktuelle Situation in Bayern

In Bayern werden derzeit auf ca. 900 Hektar Sojabohnen, sowohl Konsum- als auch Futterware, nach biologischen Standards erzeugt. Die Hauptanbaugebiete konzentrieren sich auf die körnermaisfähigen Standorte in Niederbayern, Oberbayern, Schwaben und Unterfranken.

BioSojaAnbauflaecheBayern

In der Schweine- und Geflügelfütterung haben vor allem die Trypsininhibitoren in der rohen Sojabohne eine antinutritive Wirkung und senken die Verdaulichkeit des Proteins. Die antrinutiven Substanzen müssen durch Wärmebehandlung inaktiviert werden. Außerdem wird i.d.R. der hohe Fettgehalt durch Extrahieren oder Abpressen verringert. In Bayern gibt es mehrere Aufbereitungsanlagen, die verschiedene Techniken anwenden. Jeweils in Ober- und in Niederbayern steht eine Toastanlage. Eine druckthermische und eine hydrothermische Aufbereitungsanlage befinden sich in Schwaben. Zwei weitere Sojaaufbereitungsanlagen sind in Unterfranken in Planung.

Während Ackerbohnen und Erbsen häufiger von Landwirt zu Landwirt gehandelt werden, erfolgt die Erfassung der Sojabohne häufiger über die Vermarktungsgesellschaften der Anbauverbände oder direkt über die Futtermittelhersteller. Sowohl Erzeugergemeinschaften, die Öko-Sojabohnen weitervermarkten, als auch Hersteller von Öko-Futtermittel müssen daher einen Kontrollvertrag mit einer Öko-Kontrollstelle abgeschlossen haben. Zudem bilden sich in Bayern vereinzelt private Futtermittelnetzwerke, die im Rahmen einer Vertragsproduktion die Logistik und Aufbereitung der Sojabohnen für die Landwirte koordinieren. Die gerösteten Sojabohnen, Sojakuchen und Sojaöl werden entweder als Rohkomponenten in fertigen Futtermischungen verwendet, aber auch als Einzelkomponenten an Selbstmischer verkauft.

Fördernde und hemmende Faktoren entlang der Wertschöpfungskette

Neben dem anspruchsvollen Unkrautmanagement von ökologischen Sojabohnen stellen vor allem die langen Transportwege zu den wenigen Aufbereitungsanlagen einen Hemmfaktor dar. Um die Versorgung mit heimischen Bio-Eiweißfuttermitteln wie Soja zu stärken, sind daher Optimierungen der Anbausysteme, eine intensive Beratung sowie Wissenstransfermaßnahmen und eine verbesserte Koordination des Abtransportes der Sojabohne vom Feld erforderlich. Zudem muss intensiv am Ausbau der Infrastruktur zur Erfassung und Aufbereitung von Soja gearbeitet werden. Als kritisch muss auch die unzureichende Auslastung der Futtersoja Aufbereitungsanlagen (Auslastung nur zu knapp 50%) gesehen werden. Diesem soll durch die Konzeption innovativer Vertragsproduktion entgegengewirkt werden.

Die Betrachtung wichtiger aktueller Trends ergab sowohl gute Chancen für den heimischen Sojaanbau, aber auch erhebliche Risiken. Der hohe Bedarf an Bio-Eiweißfuttermitteln, der sich durch das Verbot des Einsatzes von konventionellen Futterkomponenten im ökologischen Landbau ab 2018 noch vergrößern wird, und die positiven politische Rahmenbedingungen (Eiweißpflanzenstrategie, Soja-Netzwerk) können als wichtige Chancen für den Bio-Sojaanbau in Bayern gewertet werden. Risiken für den Aufbau von regionalen Bio-Futtersoja Wertschöpfungsketten in Bayern stellen in erster Linie die unkontrollierbaren Witterungsverhältnisse und Bio-Sojaimporte aus dem Ausland dar.

Kritische Erfolgsfaktoren entlang der Wertschöpfungskette

Kritische Erfolgsfaktoren sind Schlüsselgrößen, die für die Erreichung der Gesamtziele einer Unternehmung von zentraler Bedeutung sind. Stimmen diese Faktoren, so wird die Unternehmung als Ganzes erfolgreich sein, zeigen sich dagegen hier Defizite, so beeinträchtigt dies unmittelbar den Gesamterfolg der Unternehmung [Gabler, 2015].

Für eine modellhafte regionale Bio-Futtersoja Wertschöpfungsketten werden jene Faktoren als erfolgskritisch definiert, die eine reibungsfreie und optimierte Lieferkette von der Erzeugung, über die Verarbeitung bis hin zur Verfütterung gewährleisten.

Nach der systematischen Situationsanalyse wurden kritische Erfolgsfaktoren für die einzelnen Produktionsstufen innerhalb der Wertschöpfungskette abgeleitet Diese Faktoren werden bei der weiteren Konzeption der modellhaften Wertschöpfungskette eine wichtige Rolle spielen und sind in der untenstehenden Tabelle aufgeführt.

Tabelle 1: Kritische Erfolgsfaktoren Bio-Futtersoja
Produktionsstufe Kritischer Erfolgsfaktor
Saatgut
  • Ausreichende Saatgutmengen in annehmbarer Qualität (ohne Besatz, ausreichende Triebkraft etc.)
  • Regionale Erzeugung, um Importabhängigkeit zu verringern
Anbau
  • Ausreichende Flächen mit Bio-Sojaerzeugung
  • Angemessene Erzeugerpreise
  • Gelungenes Unkrautmanagement
  • Hohe Proteinerträge
  • Rechtzeitige Ernte
Rohwarenerfassung und Lagerung
  • Geringe Lager- und Transportkosten
  • Kalkulierbarkeit der Mengen
  • Kontinuierliche Belieferung der Aufbereiter
Reinigung und Aufbereitung
  • Qualität nach dem Aufbereitungsprozess (Aminosäuremuster, Verdaulichkeit, etc.)
  • Gute Auslastung der Aufbereitungsanlagen
Veredelung
  • Angemessener Gesamtpreis in der Futtermittelration
  • Einsatz und hohe Akzeptanz bei den Veredelungsbetrieben

Quellen:
[Gabler, 2015]: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/kritische-erfolgsfaktoren.html

Autor: Maria Bär, LVÖ. Dr. Astrid Heid, LfL