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Saatgutqualität

Mangelnde Keimfähigkeit und Triebkraft sind alle Jahre wieder ein Thema im Sojaanbau. Sojakörner reagieren empfindlich auf mechanische Belastung, insbesondere wenn sie zu trocken geerntet werden und bei Kälte im Winter. Grundsätzlich sollte nur Saatgut vom Vorjahr verwendet werden, da Keim- und Triebkraft bei Überlagerung rasch abnehmen. Häufig verringert sich die Keimfähigkeit bereits im Laufe eines Winters deutlich, wenn die Samenschale bei der Ernte, Aufbereitung oder Einlagerung leichte Risse bekommen hat. Die eindringende Luft beschleunigt die Alterung der Körner erheblich. Keimtests daher im Zweifel im zeitigen Frühjahr wiederholen. Der Einweichtest eignet sich hervorragend, um einen schnellen ersten Eindruck vom Zustand der Samenhüllen zu bekommen, insbesondere auch direkt während der Ernte und Aufbereitung. Kalttests, wie sie bei Mais vielfach zur Triebkraftuntersuchung eingesetzt werden, sollten auch in der Soja-Saatgutvermehrung verstärkt zum Einsatz kommen. In Bayern sind bereits Versuche zu Kalttests bei Soja gelaufen und eine Taifun Sojainfo zum Thema finden Sie hier.

Unter optimalen Bedingungen kann auch mangelhaftes Saatgut gute Ergebnisse bringen – sobald aber die Keimbedingungen durch Kälte o.ä. erschwert sind, zahlt sich einwandfreies, vitales Saatgut um ein Vielfaches aus.

Eigene Keimtests sind bei Soja nur bedingt aussagekräftig, da das Keimverhalten stark von Temperatur, Boden etc. abhängt. Bei Unsicherheit bezüglich der Saatgutqualität ist das Einsenden eines Keimtests in ein Saatgutlabor, welches nach ISTA-Standard arbeitet, unbedingt empfehlenswert. Diaporthe-Befall zur Abreife kann die Saatgutqualität beeinträchtigen, wenn der Pilz auf die Körner übergeht. Sie werden dann schrumpelig-braun und verlieren ihre Keimfähigkeit. Ein bloßer Sporenbesatz auf den Körnern, wie er vielfach bei der amtlichen Saatgutuntersuchung festgestellt wird, spielt hingegen keine Rolle für die Saatgutqualität, solange die Keimfähigkeit gut ist. Diaporthe-Sporen sind in der Umwelt allgegenwärtig, die Krankheit ist nicht auf Saatgut-Übertragung angewiesen.

Gentechnische Verunreinigungen sind ein weiterer Faktor, welcher wiederholt zur Aberkennung wertvoller Soja-Saatgutpartien geführt hat. Dabei ist das Risiko bei Soja als Selbstbestäuber geringer als bei vielen anderen Kulturen: GVOs gelangen nicht durch Pollenflug, sondern ausschließlich durch technische Verunreinigungen ins Saat- bzw. Erntegut. Um zu vermeiden, dass anhaftende GVO-Stäube, die ja im Saatgut keinen Schaden darstellen, zu positiv-Analysen führen, wird empfohlen, Saatgutproben vom GVO-Labor vor Analyse waschen zu lassen.

Durch die aktuell geltende Nulltoleranz für GVO in Saatgut ist es ausgeschlossen, sich hier vollständig abzusichern. Selbst bei wiederholter Beprobung eines Saatgutlots können geringste Verunreinigungen mit GVO-Soja unentdeckt bleiben und bei späteren Analysen zu Überraschungen führen.

Autor: Fabian von Beesten, Taifun Tofuprodukte