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Diaporthe / Phomopsis

Diaporthe ist in den letzten Jahren in den feuchteren Sojalagen, wo bereits seit etlichen Jahren Soja angebaut wird, verstärkt aufgetreten. Es handelt sich um einen pilzlichen Krankheitskomplex, der von mehreren Arten der Gattung Diaporthe/Phomopsis verursacht wird. Dabei werden folgende Krankheiten unterschieden:

  • Phomopsis seed decay (Samenfäule; Erreger: Phomopsis longicolla Hobbs)
  • Pod and stem blight (Hülsen- und Stängelbleiche; Erreger: Diaporthe phaesolorum var. sojae)
  • Northern stem canker (Erreger: D. phaesolorum var. caulivora)
  • Southern stem canker (Erreger: D. phaesolorum var. meridionales)

Zuerst wurden diese Erreger in den USA nachgewiesen, bis heute sind sie weltweit in allen Sojaanbauregionen verbreitet. Auch in Deutschland kam es in den letzten Jahren immer wieder zu befallenen Beständen. In Nordamerika gibt es keinen Grenzwert für Diaporthebefall im Saatgut. Dort wird davon ausgegangen, dass der Pilz in Soja-Fruchtfolgen stärker aus dem Boden kommt als aus dem Saatgut. Stark befallenes Saatgut gelangt durch verminderte Keimfähigkeit so oder so nicht zur Anerkennung. In Europa gilt ein Grenzwert von 15% befallenen Samen für Saatgut. Oft treten mehrere Erreger gleichzeitig auf, was eine eindeutige Unterscheidung der Symptome erschwert.

Symptome

Die in Europa auftretenden Symptome an Samen und Pflanzen werden durch die ersten beiden Erreger verursacht. Stark befallene Samen schrumpeln, sind rissig und von einem weißen Pilzmycel überzogen. Warmes und feuchtes Wetter von der Hülsenfüllung bis zur Ernte fördern den Befall. In den USA ist Phomopsis longicolla der am meisten verbreitete Erreger, wobei das Auftreten von Jahr zu Jahr je nach Wetterbedingungen variiert. Die Pathogene sind teilweise auch in grünen Pflanzenteilen nachweisbar, ohne visuelle Symptome hervorzurufen. Erst zu Reife-/Seneszenzbeginn zeigen sich an befallenen Stängel, Blattflächen und Hülsen kleine, schwarze, in Linien angeordnete Punkte (Pyknidien).

Biologie

Der sexuelle Vermehrungszyklus (teleomorphe Phase) der Pilze bildet  Perithecien mit Asci und Ascosporen. Im asexuellen Zyklus (anamorphe Phase) werden verschiedene Arten von Konidien (ellipsen- bis spindelförmige  α-Konidien und fadenförmige β-Konidien) in Pyknidien gebildet. Der Anamorph zu allen D. phaseolorum – Arten ist P. phaseoli, entsprechend ist P. sojae der Anamorph zu D. phaseolorum var. sojae. Die Art P. longicolla hat keine teleomorphe Form.

Infizierte Pflanzenreste und Samen sind die größte Infektionsquelle. Diaporthe phaseolorum var. caulivora  und meridionales bilden Perithecien mit Ascosporen, die auf Ernteresten überwintern. Im Lauf der nächsten Anbausaison infizieren die Sporen Blätter oder verletzte Pflanzenteile. Phomopsis longicolla bildet Pyknidien und infiziert die Pflanzen mittels Konidien. D. phaseolorum var. sojae überwintert als dormantes Mycel in Soja oder anderen Wirtspflanzen und in infizierten Samen, welche die Langstreckenverbreitung begünstigen. Feuchtigkeit und Temperatur in Boden und Luft sind die Haupteinflussfaktoren für die Fruchtkörperbildung, die Sporenfreisetzung, die Infektion und das Auftreten der Symptome an der Pflanze.

Bekämpfungsstrategien

Da die Erreger in befallenen Samen oder Pflanzenresten überwintern, beinhalten die Möglichkeiten zur Verringerung bzw. Vermeidung des Befalls zunächst eine Fruchtfolge mit Nicht-Wirtspflanzen (Nicht-Leguminosen) wie Weizen oder Mais, tiefe Bodenbearbeitung, um befallene Erntereste einzuarbeiten und die Sporenausbreitung durch Wind und Regen zu verringern, sowie, entscheidend, eine rechtzeitige Ernte der reifen Samen. Ein weiterer Punkt ist der Anbau von Sorten mit guter Diaporthe-Resistenz.

Weiterführende Informationen haben wir für Sie im Schwerpunktthema „Diaporthe / Phomopsis – wichtigste Pilzkrankheit an Sojabohnen“ zusammengestellt.

 

Autor: Kristina Bachteler, Taifun Tofuprodukte