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Druschzeitpunkt – nicht zu lange warten!

Eine Ernte bis spätestens Anfang Oktober ist in allen deutschen Anbaugebieten oberstes Ziel. Im Oktober werden die Tage kurz, das Risiko einer nassen Ernte steigt erheblich. Saubere Ware ist dann nicht mehr zu erwarten, ganz zu schweigen von den hohen Trocknungskosten. Standard ist eine Ernte ab Mitte September, in den wärmsten Lagen geht es manchmal schon Anfang September los. Speisesoja und Saatgut sollten stets zum erstmöglichen Termin geerntet werden. Die Qualität leidet mit jeder Wiederbefeuchtung des Bestandes. Pilzinfektionen breiten sich bei Soja, wie bei anderen Kulturen auch, verstärkt im reifen Bestand aus. Gelegentlich kommt es vor, dass die Bohnen trotz zahlreicher noch nicht abgefallener, grüner Blätter im Bestand reif und trocken sind.

Feuchte

Die Feuchtestandards für Soja unterscheiden sich in den Nachbarländern teils erheblich: 14% (D), 11% (CH), 13% (AT),  14% (F). Einlagerung mit 14% vermindert Bruch, was insbesondere bei Saatgut ein großer Vorteil ist. Bei Speisesoja hat sich dennoch eine Lagerfeuchte von 12-13% bewährt, um Schimmelbildung und „Muffigkeit“ vorzubeugen.

Optimale Druschfeuchte ist 14-15%. Bei unter 12% lässt sich erheblicher Bruch nur bei perfekter Druschtechnik und Dreschereinstellung vermeiden. Bei Speisesoja und Saatgut wird daher empfohlen, bereits bei 16% Feuchte mit der Ernte zu beginnen. Der Wassergehalt reifer Sojabohnen kann bei entsprechender Witterung sehr rasch sinken! Bei Nässe und Nebel steigt die Feuchte in den Bohnen dann ebenso schnell wieder an. Ein Drusch bis über 30% Kornfeuchte ist möglich, sollte jedoch in jedem Falle vermieden werden. Bereits bei 25% Feuchte ist die Bewegung, Reinigung und Trocknung der Bohnen äußerst mühselig und langsam. Durch den Ölgehalt sind trockene Sojabohnen oft nicht ganz so hart wie andere Hülsenfrüchte, dadurch können sie feuchter erscheinen als sie in Wirklichkeit sind.

Keine Angst vor grünen Bohnen!

Obwohl die modernen Sorten stark determiniert sind, finden sich fast immer in reifen Beständen grüne, unreife Hülsen. Auf heterogenen Feldern reifen häufig einige Stellen verspätet ab. Wer auf die Abreife der letzten Pflanzen wartet, wird nicht glücklich. Während der Hauptbestand viel zu trocken wird oder im Regen ins Lager geht, sind die letzten grünen Hülsen Ende Oktober immer noch nicht reif! Im Erntegut hingegen stellen sie kein Problem dar. Ein Teil wird gar nicht ausgedroschen, der Rest geht übers Obersieb ab oder trocknet später im Silo ein. Im Taifun-Vertragsanbau gab es beispielsweise in den letzten Jahren in über 1.000 Erntelieferungen nicht einmal Probleme wegen zu vieler grüner, unreifer Bohnen.

Autor: Fabian von Beesten, Taifun Tofuprodukte