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Chemisch

Chemische Beikrautregulierung

Stand Dezember 2025
Über mögliche Notfallzulassungen für die Saison 2026 werden wir umgehend informieren.

Die erfolgreiche Unkrautkontrolle ist entscheidend für den Anbauerfolg, da die Sojabohne aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung und dem spätem Bestandesschluss kaum Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern besitzt. Außerdem kann übermäßiger Unkrautbesatz die Erntearbeiten erschweren, zur Erhöhung der Erntefeuchte beitragen und die Qualität des Ernteguts massiv beeinträchtigen. Beispielsweise ein Besatz mit giftigem Schwarzen Nachtschatten führt zur Annahmeverweigerung beim Erfasser da er nur sehr schwer herausgereinigt werden kann. Von der Gefahr für den Menschen, falls die Sojabohnen für die menschliche Ernährung verwendet werden, bzw. für Tiere die damit gefüttert werden, ganz zu schweigen.

Um einen erfolgreichen Sojaanbau zu gewährleisten ist es somit unbedingt erforderlich, die Bestände unkrautfrei zu halten. Eine erfolgreiche Unkrautbekämpfung in Soja beginnt bereits im Vorfeld. Für den Anbau sollten möglichst Felder mit geringerem Unkrautbesatz ausgewählt werden. Die Freiheit von Problemunkräutern wie Ackerkratzdistel und Ackerwinden sollte gewährleistet sein, da diese in Soja chemisch nicht bekämpft werden können.

Das Leitunkraut Nummer Eins in den Sojabeständen ist der weiße Gänsefuß (und Melde), da es zu massiver Konkurrenz kommt und damit zu hohen Ertragseinbußen führen kann. Gleich darauf folgt der Schwarze Nachtschatten. Wärmekeimer wie Amaranth, Franzosenkraut und vor allem die Hirsearten treten ebenfalls relativ häufig auf. Je nach Standort sind noch Klettenlabkraut, Kamille und Knötericharten zu nennen.

Die vorhandene Altverunkrautung könnte vor der Sojasaat mit einem zugelassenen Glyphosatprodukt beseitigt werden. Besser bewährt hat sich aber eine flache Bodenbearbeitung einige Tage vor der Saat. Diese bewirkt nicht nur eine mechanische Unkrautbekämpfung, sondern hat noch den Effekt einer schnelleren Bodenerwärmung, und dadurch einen schnelleren Feldaufgang der Bohnen zur Folge.

Überhaupt sollte man alles unternehmen, um eine zügige Jugendentwicklung der Bohnen zu gewährleisten. Eine möglichst frühe Aussaat ist zwar für den Sojaertrag förderlich, darf aber trotzdem erst ab einer Bodentemperatur von mehr als acht bis zehn Grad Celsius erfolgen, um ein zügiges Wachstum der Bohnen zu gewährleisten. Dies kann in den Gunstlagen Süddeutschlands bereits ab Anfang April der Fall sein, in den Höhenlagen aber auch erst Anfang Mai. Wichtiger als die Bodentemperatur ist eine nachfolgende warme Hochdruckwetterlage!

Einerseits verträgt die Sojabohne kaum Unkrautkonkurrenz und reagiert mit starken Ertragseinbrüchen. Andererseits kann die Sojapflanze bei nicht an die Bedingungen angepassten Aufwandmengen mit Mindererträgen gegenüber den eingesetzten Herbiziden reagieren. Bei der Aussaat ist auf eine ausreichende Tiefenablage von mindestens drei, besser vier Zentimetern und einer geschlossenen Saatrille zu achten um beim Einsatz von Bodenherbiziden die Verträglichkeit zu gewährleisten. Walzen nach der Saat ist ebenfalls nützlich für eine bessere Herbizidwirkung, bietet aber auch eine Erleichterung bei der Ernte wegen des tiefen Hülsenansatzes der Sojabohne. Wichtig: Falls die Walze eingesetzt wird, ist die Vorauflaufanwendung unbedingt nach dem Walzen durchzuführen. Ein Walzen nach der Pflanzenschutzanwendung führt zur Zerstörung des Herbizidfilms. Die Hauptlast beim Herbizideinsatz in Soja trägt die Vorauflaufspritzung. Nur im Vorauflauf kann das wichtigste Unkraut, der weiße Gänsefuß sicher bekämpft werden. Unterlässt man diese grundlegende Maßnahme, ist eine vollständige Kontrolle dieses Unkrauts im Nachauflauf nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Außerdem geht man ein unnötiges Verträglichkeitsrisiko durch die dann mehrmals notwendigen Nachauflaufspritzungen ein.

Besonders erschwerend für die Unkrautbekämpfung in Sojabohnen ist der Wegfall der Wirkstoffe Flufenacet und Metribuzin. Beachten Sie unbedingt, dass die Präparate Sencor Liquid und Artist nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Das gilt auch für Restmengen! Somit sind nach derzeitigen Zulassungsstand noch folgende Vorauflaufbehandlungen möglich:

0,75 l/ha Spectrum + 1,5 l/ha Stomp Aqua (=Spectrum Aqua Pack) bzw. das Fertigprodukt aus den beiden Präparaten 2,75 l/ha Spectrum Plus: Die Wirkung gegen Gänsefußarten ist zuverlässig. Nachtschatten und Hirsearten werden sicher erfasst. Die Wirkung gegen Windenknöterich und Klettenlabkraut ist etwas schwächer. Eine Zugabe von 0,25 l/ha Centium 36 CS schafft Abhilfe gegen beide Unkräuter.

0,75 l/ha Spectrum + 1,5 l/ha Stomp Aqua + 0,25 Centium 36 CS bzw.  2,75 l/ha Spectrum Plus + 0,25 l/ha Centium 36 CS wäre eine breitwirksame und noch verträgliche Mischung gegen alle Leitunkräuter in Sojabohnen. Grundsätzlich muss das Verträglichkeitsrisiko des Stomp-Wirkstoffes Pendimethalin in allen Sorten beachtet werden. Besonders auf leichteren Boden, aber vor allem nach Starkniederschlägen, kann es zu Schäden an der Sojabohne kommen, mitunter auch zu Pflanzenverlusten. Beim Einsatz von Stomp Aqua oder Spectrum Plus sollten folgende Punkte beachtet werden: Maximal 1,5 l/ha Stomp Aqua (2,6 l/ha zugelassen). Spectrum Plus nur mit 2,75 l/ha anwenden (4,0 l/ha zugelassen). Exakte Saatgutablage mit einer Mindestsaattiefe von 5 cm werden vom Hersteller vorgeschrieben. „Stomp-Schäden“ traten in der Praxis in trockenen Regionen bisher nicht auf.
2,0 l/ha Successor  600 + 0,25 l/ha Centium 36 CS: Diese Kombination hat sich als gut verträglich gezeigt. Allerdings sollte diese Mischung nur eingesetzt werden, wenn wenig Gänsefuß und Melde zu erwarten ist. Das gilt auch für den Schwarzen Nachtschatten. Die ganzjährige Drainage Auflage vom Successor 600 ist zu beachten.

Es gibt noch weitere zugelassenen Herbizide in Sojabohnen. Allerdings ist deren Verfügbarkeit, Wirkung und Verträglichkeit teilweise unklar.

Chanon: Der Wirkstoff Aclonifen ist in Sojabohnen grundsätzlich kritisch zu betrachten. So ist die Kulturverträglichkeit nach etwas stärkeren Niederschlägen nicht mehr gegeben. Aclonifen wird in Futtererbsen mit bis zu 2400 g/ha Wirkstoff eingesetzt und ist dort gut verträglich. Mit den in Sojabohnen zugelassenen 1,5 l/ha Chanon werden nur 900 g/ha Aclonifen ausgebracht. Damit dürfte die Verträglichkeit gegeben sein. Völlig unklar ist allerdings die Wirksamkeit gegen Unkräuter mit dieser sehr geringen Wirkstoffmenge.

Amstaf 800 EC: Wirkstoff Prosulfocarb. Die Verfügbarkeit dieses polnischen Produktes ist unklar. Bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit liegen keine Erfahrungen vor.

Conaxis: Das Fertigprodukt mit Clomazone und Dimethenamid wird in Deutschland nicht vertrieben.

Insgesamt muss darauf hingewiesen werden, dass die derzeit verbliebenen Möglichkeiten in der Wirkung gegen Gänsefuß/Melde schwächer als die bisher verwendeten Metribuzin-haltigen Präparate sind. Eine Kontrolle der Bestände und gegebenenfalls rechtzeitige Nachauflaufbehandlung ist einzuplanen!

Über mögliche Notfallzulassungen für die Saison 2026 werden wir Sie rechtzeitig informieren!

Nachauflauf gegen Unkräuter:

Eine Trockenphase nach der Vorauflaufspritzung kann die Unkrautwirkung beeinträchtigen, dann muss im Nachauflaufverfahren reagiert werden. Eine alleinige Unkrautbekämpfung im Nachauflauf, ohne Vorlage eines Bodenherbizides im Vorauflauf ist nicht ausreichend.

Das Harmony SX kann zweimal im Splitting bis zum BBCH 14 der Sojabohne eingesetzt werden. Die erste Behandlung erfolgt mit 7,5 g/ha Harmony SX + Additiv bis zum BBCH 12 der Unkräuter. Nach 7 – 14 Tagen ist eine zweite Behandlung mit 7,5 g/ha Harmony SX + Additiv möglich. Um eine gute Verträglichkeit sicherzustellen sollte auf eine warme und wüchsige Witterung nach der Anwendung geachtet werden. Wichtig für die Wirkung ist der Einsatz eines Additivs, um die Wachsschicht der Unkräuter zu öffnen. Möglich wären z.B. 1,0 l/ha Dash, 0,5 l/ha Hasten oder andere.

Breitwirksam ist das in Soja genehmigte Clearfield Clentiga mit 1,0 l/ha + 1,0 l/ha Dash. Die Bekämpfungserfolge waren immer dann gut, falls der Einsatz rechtzeitig erfolgt ist. Die Unkräuter dürfen nicht wesentlich über das 1. Laubblatt-Stadium hinausgewachsen sein. Eine gute Wirkung gegen Klettenlabkraut, Kreuzblütler, Nachtschatten, Taubnessel, Gänsefuß/Melde und Knöteriche ist gegeben.

Gut bewährt hat sich die Kombination von 1,0 l/ha Clearfield Clentiga + 1,0 l/ha Dash + 7,5 g/ha Harmony SX. Verträglichkeitsprobleme traten keine auf, falls auf eine wüchsige Witterung geachtet wurde.

Gräserbekämpfung im Nachauflauf:
Falls noch Gräser, vor allem Hirsearten vorhanden sind, kann eine Gräserbehandlung mit 0,8 – 1,0 l/ha Fusilade Max, 1,0 – 1,5 l/ha Targa Super, 0,5 – 0,8 l/ha Agil S oder 1,5 – 2,0 l/ha Focus Ultra + 1,0 l/ha Dash durchgeführt werden. Dies sollte wegen der Verträglichkeit jedoch in einem separaten Arbeitsgang erfolgen.

Diese Gräsermittel erfassen auch größere Hirsepflanzen noch sicher, sofern genügend Blattmasse benetzt wird. Auf eine warme und wüchsige Witterung ist zu achten.


Jürgen Unsleber
Dipl. Ing. Agrar FH
Pflanzenbauberater LKP/Erzeugerring Mittelfranken
Vorstandsmitglied im Sojaförderring

Weiterführende Dokumente

Autor: Jürgen Unsleber, Pflanzenbauberater