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Chemische Beikrautregulierung

 

Die erfolgreiche Unkrautkontrolle ist entscheidend für den Anbauerfolg, da die Sojabohne aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung und dem spätem Bestandesschluss kaum Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern besitzt. Außerdem kann übermäßiger Unkrautbesatz die Erntearbeiten erschweren, zur Erhöhung der Erntefeuchte beitragen und die Qualität des Ernteguts massiv beeinträchtigen. Beispielsweise ein Besatz mit giftigem Schwarzen Nachtschatten führt zur Annahmeverweigerung beim Erfasser da er nur sehr schwer herausgereinigt werden kann. Von der Gefahr für den Menschen, falls die Sojabohnen für die menschliche Ernährung verwendet werden, bzw. für Tiere die damit gefüttert werden, ganz zu schweigen.

Um einen erfolgreichen Sojaanbau zu gewährleisten ist es somit unbedingt erforderlich, die Bestände unkrautfrei zu halten.

Eine erfolgreiche Unkrautbekämpfung in Soja beginnt bereits im Vorfeld. Für den Anbau sollten möglichst Felder mit geringerem Unkrautbesatz ausgewählt werden. Die Freiheit von Problemunkräutern wie Ackerkratzdistel und Ackerwinden sollte gewährleistet sein, da diese in Soja chemisch nicht bekämpft werden können. Disteln und Winden müssen im Getreide in den Vorjahren bekämpft werden.

Das Leitunkraut Nummer Eins in den Sojabeständen ist der weiße Gänsefuß (und Melde), da es zu massiver Konkurrenz kommt und damit zu hohen Ertragseinbußen führen kann. Gleich darauf folgt der Schwarze Nachtschatten. Wärmekeimer wie Amaranth, Franzosenkraut und vor allem die Hirsearten treten ebenfalls relativ häufig auf. Je nach Standort sind noch Klettenlabkraut, Kamille und Knötericharten zu nennen.

Die vorhandene Altverunkrautung könnte vor der Sojasaat mit einem zugelassenen Glyphosatprodukt beseitigt werden.
Besser bewährt hat sich aber eine flache Bodenbearbeitung einige Tage vor der Saat. Diese bewirkt nicht nur eine mechanische Unkrautbekämpfung, sondern hat noch den Effekt einer schnelleren Bodenerwärmung, und dadurch einen schnelleren Feldaufgang der Bohnen zur Folge.

Überhaupt sollte man alles unternehmen, um eine zügige Jugendentwicklung der Bohnen zu gewährleisten. Eine möglichst frühe Aussaat ist zwar für den Sojaertrag förderlich, darf aber trotzdem erst ab einer Bodentemperatur von mehr als acht bis zehn Grad Celsius erfolgen, um ein zügiges Wachstum der Bohnen zu gewährleisten. Dies kann in den Gunstlagen Süddeutschlands bereits ab Anfang April der Fall sein, in den Höhenlagen aber auch erst Anfang Mai. Wichtiger als die Bodentemperatur ist eine nachfolgende warme Hochdruckwetterlage!

Einerseits verträgt die Sojabohne kaum Unkrautkonkurrenz und reagiert mit starken Ertragseinbrüchen, wie beispielsweise Zuckerrüben. Andererseits ist die Sojapflanze empfindlich gegenüber den eingesetzten Herbiziden und reagiert bei nicht an die Bedingungen angepassten Aufwandmengen recht schnell mit Mindererträgen.

Bei der Aussaat ist auf eine ausreichende Tiefenablage von mindestens drei, besser vier Zentimetern und einer geschlossenen Saatrille zu achten um beim Einsatz von Bodenherbiziden die Verträglichkeit zu gewährleisten. Ebenfalls sollte auf ein feinkrümeliges Saatbett geachtet werden. Grobe Kluten können die Wirkung der Bodenherbizide empfindlich stören. Hierbei ist der Einsatz einer Walze von Nutzen. Nicht nur eine bessere Herbizidwirkung, sondern auch eine Erleichterung der Ernte wegen des tiefen Hülsenansatzes der Sojabohne kann hiermit erreicht werden.

Erst jetzt beginnt der eigentliche Teil der chemischen Unkrautbekämpfung.

Für den Einsatz in Sojabohnen sind nur wenige Pflanzenschutzmittel zugelassen, bzw. genehmigt. Im Bereich der Bodenherbizide sind dies die Mittel Sencor Liquid,  Stomp Aqua, Spectrum, Spectrum Plus (Fertigmischung aus Stomp und Spectrum) Centium 36 CS, Gamit 36 AMT und das Artist.

Achtung: Im Nachauflauf ist die Anwendung von Basagran nicht mehr zulässig.

Die Gräserbekämpfung, aber vor allem die durchgewachsenen Unkrauthirsen lassen sich, falls erforderlich, mit den Gramminiziden Fusilade MAXX oder Focus Ultra bekämpfen.

Aufgrund der eher beschränkten Auswahl an zugelassenen Pflanzenschutzmitteln ist es wichtig, dass der Landwirt sich im Vorfeld Gedanken über eine erfolgreiche Strategie zur Unkrautbekämpfung macht. So sollte bereits vor der Aussaat ermittelt werden, welches Unkrautspektrum auf den Feldern zu erwarten ist, um die richtigen Maßnahmen treffen zu können.

Die Hauptlast beim Herbizideinsatz in Soja trägt die Vorauflauspritzung. Nur im Vorauflauf kann das wichtigste Unkraut, der weiße Gänsefuß sicher bekämpft werden. Unterlässt man diese grundlegende Maßnahme, ist eine vollständige Kontrolle dieses Unkrauts im Nachauflauf nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Außerdem geht man ein unnötiges Verträglichkeitsrisiko durch die dann mehrmals notwendigen Nachauflaufspritzungen ein.

In der Praxis haben sich seit vielen Jahren vor allem zwei Kombinationen für die Vorauflaufbehandlung bewährt:

Zum einen, die Mischung aus den drei Bodenwirkstoffen Metribuzin, Flufenacet und Clomazone. Diese breitwirksame Kombination besteht aus 1,5 – 2,0 kg/ha Artist + 0,25 l/ha Centium 36 CS. Die Stärke dieser Mischung ist vor allem die sichere Wirkung gegen die Leitunkräuter Weißer Gänsefuß / Melde, welche von allen Unkräutern zu den höchsten Ertragsverlusten führen können. Der einzige Nachteil ist in der schwächeren Wirkung gegen Schwarzen Nachtschatten zu sehen.

Zum anderen ist die ebenfalls breit wirksame Mischung aus den drei Bodenwirkstoffen Metribuzin, Dimethenamid und Clomazone möglich. Diese setzt sich aus 0,3 – 0,4 l/ha Sencor Liquid + 0,6 – 0,8 l/ha Spectrum + 0,25 l/ha Centium 36 CS zusammen. Die Stärke dieser Kombination liegt vor allem in der Dauerwirkung gegen die Wärmekeimer wie z.B. Hirse, Amaranth, Schwarzer Nachtschatten und Franzosenkraut. Die Wirkung gegen Weißen Gänsefuß / Melde ist etwas schwächer als bei der vorhergenannten Artist – Centium Kombination.

Wichtig für eine optimale Wirkung und Verträglichkeit bei beiden Varianten: Die oberen Aufwandmengen gelten für Ton- und / oder humusreichere Böden (Lehm; toniger Lehm) bzw. in trockeneren Regionen, die unteren Aufwandmengen gelten für leichte Böden (sandiger Lehm; reiner, humusarmer Schluff) bzw. feuchteren Regionen. Diese Mischungen müssen unbedingt im Vorauflaufverfahren nach Saat der Bohnen, auf möglichst feuchten Boden gespritzt werden. Optimal für eine gute Wirkung wäre nachfolgender Niederschlag in den nächsten Tagen.

Wichtig: Falls die Walze eingesetzt werden soll, so ist die Vorauflaufanwendung unbedingt nach dem Walzen durchzuführen. Ein Walzen nach der Pflanzenschutzanwendung führt zur Zerstörung des Herbizidfilms.

Beide Mischungen besitzen nicht nur eine gute Breitenwirkung, sondern auch eine lange Dauerwirkung welche die Unkrautfreiheit in der Regel bis zur Ernte gewährleistet. Bei ungünstiger Witterung kann es vereinzelt zu nekrotischen Blattflecken auf den unteren Blättern durch den Wirkstoff Metribuzin kommen. Diese wachsen sich jedoch sehr schnell aus, eine Wachstumsverzögerung ist kaum zu beobachten.

Eine Ausnahme besteht jedoch. In der Sorte ES Mentor sollte diese Mischung nicht eingesetzt werden, da diese mit Wachstumsstörungen, bis hin zum Totalausfall durch den Wirkstoff Metribuzin reagieren kann. Allerdings kam es in den letzten Jahren nur vereinzelt zu Schäden.

Das Clomazone ist in diesen Mischungen nicht nur gegen Knötericharten und Klettenlabkraut wirksam, sondern führt bei den genannten Mischungen zu deutlichen Synergieeffekten und verstärkt die Wirkung der anderen Produkte erheblich. Dabei hat der Landwirt, anders als beim Einsatz im Raps, keinerlei Schädigung wie zum Beispiel Wuchshemmung oder gar Chlorosen zu befürchten. Auch bei Trockenheit zeigt das Clomazone noch eine brauchbare Wirkung. Bezüglich der Umweltauflagen, müssen nicht die sehr umfangreichen „Rapsauflagen“, sondern nur die moderaten „Kartoffelauflagen“ (NT 102/127/149) beachtet werden, da die Anwendung im Gegensatz zum Herbsteinsatz unter hohen Temperaturbedingungen, im Frühjahr unter relativ kühlen Witterungsbedingungen stattfindet.

Bei den Vorauflaufmitteln steht noch der Spectrum Aqua Pack mit 0,75 l/ha Spectrum und 1,5 l/ha Stomp Aqua zur Verfügung (bzw. die Fertigmischung Spectrum Plus mit 2,75 l/ha). Die Wirkung gegen Gänsefußarten ist recht zuverlässig, allerdings muss das Verträglichkeitsrisiko des Stomp Wirkstoffes Pendimethalin beachtet werden. Besonders auf leichteren Boden, aber vor allem aber nach Starkniederschlägen auf allen Böden kann es zu Schäden an der Sojabohne kommen, mitunter auch zu Pflanzenverlusten. Das Schadbild äußert sich zuerst durch das Absterben der Laubblätter, nach einigen Wochen auch der robusteren Keimblätter. Bei den „überlebenden“ Pflanzen kommt es häufig zu Wurzelhalseinschnürungen, die Stängel werden hart wie „Glas“.  Die Standfestigkeit der Sojapflanzen wird verringert und im Laufe der Vegetation brechen immer mehr Pflanzen ab und stehen somit für die Ertragsbildung nicht mehr zur Verfügung. Falls ein Einsatz von Stomp Aqua (oder Spectrum Plus) angestrebt wird, sind mindestens folgende Punkte zu beachten: Die Stomp Aqua Menge ist auf 1,5 l/ha zu begrenzen (obwohl 2,6 l/ha zulässig wären). Das Spectrum Plus sollte nur mit 2,75 l/ha eingesetzt werden (obwohl 4 l/ha zugelassen wären). Die Saatgutablage muss exakt mit einer Mindestsaattiefe von 5 cm erfolgen.

Wenn eine lange Trockenheit nach der Vorauflaufspritzung zu einer unzureichenden Unkrautkontrolle geführt hat, muss im Nachauflaufverfahren reagiert werden. Falls die Sojabohne in einer Rapsfruchtfolge steht und bereits Ausfallraps aufgelaufen ist, lässt sich eine Nachauflaufbehandlung häufig nicht vermeiden, da alle Vorauflaufwirkstoffe eine Wirkungslücke gegen Ausfallraps haben.

Achtung: Im Nachauflauf ist die Anwendung von Basagran nicht mehr zulässig.

Das Harmony SX kann im Nachauflaufverfahren 2 mal im Splitting bis zu BBCH 14 (Laubblätter am 4. Nodium entfaltet) der Sojabohne eingesetzt werden. Die erste Behandlung kann mit 7,5 g/ha Harmony SX + Additiv bis zum BBCH 12 der Unkräuter eingesetzt werden. Nach 7 – 14 Tagen ist eine zweite Behandlung mit  7,5 g/ha Harmony SX + Additiv bis zum BBCH 14 der Unkräuter möglich.

Wichtig für eine gute Verträglichkeit: Das Harmony SX greift als Sulfonylharnstoff in den Stoffwechsel der Sojabohne ein und muss metabolisiert werden. Dies gelingt nur bei wüchsiger Witterung. Unter kühlen Bedingungen kann es zu Wachstumsverzögerungen der Sojabohne kommen.Sehr wichtig für die sichere Wirkung ist der Einsatz eines Additivs um die Wachsschicht der Unkräuter für das Harmony SX zu öffnen. In der Praxis bewährt hat sich hierbei beispielsweise das Produkt Dupont Trend (0,3 l/ha). Auch andere Additive wären möglich.

Ebenfalls möglich ist das seit Mai 2018 in Soja genehmigte Clearfield Clentiga. Es wird im Nachauflauf mit einer Aufwandmenge von 1 l/ha Clearfield Clentiga + 1 l/ha Dash eingesetzt. Eine endgültige Bewertung ist aufgrund von zu wenigen Versuchsergebnissen noch nicht möglich. Eine Wirkung gegen Klettenlabkraut, Kreuzbblüter, Nachtschatten, Taubnesssel, Gänsefuß/Melde und Knöteriche ist zu erwarten. Als Anhaltspunkt dient eine Versuchsserie der BASF.

Falls noch Gräser, aber vor allem Hirsen, vorhanden sind kann eine Gräserbehandlung mit 0,8 – 1,0 l/ha Fusilade Max oder 1,5 – 2,0 l/ha Focus Ultra durchgeführt werden. Dies sollte jedoch in einem separaten Arbeitsgang erfolgen um kein unnötiges Verträglichkeitsrisiko einzugehen. Diese Gräsermittel erfassen auch größere Hirsepflanzen noch sicher, sofern genügend Blattmasse benetzt wird. Auf eine warme und wüchsige Witterung ist zu achten. Allerdings ist diese separate Gräserbekämpfung in der Praxis nur in den seltensten Fällen notwendig, da die Nebenwirkungen der Vorauflaufkombinationen in der Regel auch gegen Gräser ausreichen. Gegebenenfalls wäre bereits eine Randbehandlung ausreichend.

Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link:

https://www.sojafoerderring.de/wp-content/uploads/2018/02/Soja-der-Start-entscheidet-1.pdf

Hier finden Sie eine Liste der zugelassenen Sojaherbizide und hier einen Bericht und Fotos zu überraschenden großflächigen Metribuzin-Schäden in Nord-Bayern und Nord Baden-Württembert Mitte Mai 2014.

Autor: Jürgen Unsleber, Pflanzenbauberater