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Soja – die geborene Direktsaatkultur?

In Nord- und Südamerika ist Soja-Direktsaat weit verbreitet, vielerorts gilt Soja regelrecht als Direktsaat-Kultur. Insbesondere auf extrem erosionsgefährdeten Böden, wie sie beispielsweise in Brasilien verbreitet sind, hat sich die Direktsaat durchgesetzt. Dabei wird jedoch in aller Regel intensiv mit Herbiziden gearbeitet – ein Grund für den Erfolg herbizidresistenter GVO-Sojasorten in diesen Regionen. Auch in Europa gibt es Sojaanbau in Direktsaat, sowohl öko als auch konventionell. Etabliert hat sich das Verfahren bisher jedoch nicht. Häufig liegen die Erträge am Ende doch deutlich niedriger als im herkömmlichen Anbau mit Pflug und Hacke. Ein Grund dafür ist sicher die deutlich langsamere Bodenerwärmung, die sich bei der sehr wärmeliebenden Sojabohne stärker auswirkt als bei anderen Feldfrüchten. Dieses Problem dürfte im tropischen Brasilien keine Rolle spielen. Ein weiteres Problem ist die höhere Bodendichte nach Direktsaat. Die Rhizobien brauchen Luft zum Atmen. Dennoch dürfte es sich lohnen, weiter an dem Thema dran zu bleiben. Insbesondere was die Beikräuter angeht, gibt es immer wieder Direktsaatbestände, die mit minimalem Aufwand bis zur Ernte sauber bleiben. Wenn sich die Technik und auch die Sorten weiter entwickeln, haben die Verfahren sicher mehr Potential.

In Deutschland und Österreich haben in den letzten Jahren einige Praktiker mit unterschiedlicher Technik Soja im Frühling in Wintergetreide-Bestände gedrillt. In der Regel wird dazu Winterroggen niedergewalzt. Dann wird die Soja mit Direktsaattechnik hineingedrillt. Wenn das Walzen zum richtigen Zeitpunkt geschieht (Roggen in Blüte) steht der Roggen in der Regel nicht mehr auf. Durch die minimale Bodenbewegung und die dichte Roggendecke keimen, wenn alles gut geklappt hat, nur wenige Unkräuter, zwischen Aussaat und Ernte fallen keine weiteren Arbeiten an. Alternativ kann der Roggen als Grünschnittroggen geerntet werden, um dann direkt in die Stoppeln zu säen.

Ein weiteres, bisher wenig erprobtes Verfahren besteht darin, das Wintergetreide in weiter Reihe anzubauen und zu hacken. Nach dem letzten Hackdurchgang wird dann im Frühjahr zwischen den Getreidereihen jeweils Soja eingedrillt. Wenn alles gut läuft, ist zur Getreideernte die Soja gut etabliert aber noch nicht zu hoch. Nun werden nur die Getreideähren gedroschen, mit sehr hoch geführtem Schneidwerk. Danach kann die Soja weiter gedeihen und wie üblich im Spätsommer geerntet werden.

Der Naturland-Berater Werner Vogt-Kaute hat Erfahrungen zur Biosoja-Direktsaat in Nordamerika zusammengetragen (PDF).

Eine Zusammenfassung der Erfahrungen mit Direktsaat von Sojabohnen im Ökolandbau an der LTZ-Außenstelle Müllheim (Baden-Württemberg) finden Sie hier.

Vom FiBL wurden zwei Versuche zur konventionellen Soja-Direktsaat in Grünroggen in Niedersachsen und in Bayern beschrieben (PDF).

Autor: Fabian von Beesten, Taifun Tofuprodukte