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Soja in der Kulturlandschaft

Soja hat einen zwiespältigen Ruf. Global wird sie überwiegend in gewaltigen Monokulturen und in sehr engen Fruchtfolgen angebaut. Vielfach werden wertvolle Biotope zugunsten des industriellen Sojaanbaus vernichtet. Ganz anders präsentiert sich die Bohne auf den heimischen Äckern. Der Leguminosen-Anbau ist in Deutschland und Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten weitestgehend zum Erliegen gekommen, mit weitreichenden Konsequenzen für Artenvielfalt, Bodenfruchtbarkeit und Ernährungssouveränität. Durch die geringe Anbaufläche wurden die meisten Zuchtprogramme für Leguminosen eingestellt, ein Teufelskreis. Mit der Sojabohne erfährt die wichtige Pflanzenfamilie nun einen kleinen Aufschwung, zumindest in den wärmeren Regionen. Anders als in Brasilien oder den USA, wo Soja vielfach wirtschaftlich an erster Stelle steht und entsprechend überwiegend angebaut wird, stellt die Bohne in den Mais- und Getreidelastigen Fruchtfolgen in Deutschland durchweg eine Bereicherung dar. Die üppig grünen Felder sind eine Augenweide, das eiweißreiche Laub nährt eine Reihe wertvoller Arten vom Regenwurm bis zum Feldhasen.

Lupinen, Ackerbohnen, Erbsen und auch Klee werden regelmäßig von diversen Schädlingen und Krankheiten heimgesucht. Soja hingegen wird in unseren Breiten bisher kaum befallen, was einen geringen Einsatz von Pestiziden zur Folge hat. Einzig die Kontrolle der Beikräuter stellt durch die langsame Jugendentwicklung der Eiweißpflanze eine Herausforderung dar – was aus Sicht der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft jedoch sicher kein Nachteil ist.

Überraschend: Anders als lange geglaubt spendet Soja durchaus Nektar für Bienen, Hummeln und Co. Bei ausreichend Wärme öffnen sich die kleinen Blüten, dann beginnen die Felder mitunter zu summen. Zwar sind die Nektarmengen gering, doch blüht die Bohne im Hochsommer, wenn vielfach sonst nichts mehr blüht – und dürfte entsprechend einen kleinen Beitrag zur Ernährung der arg gebeutelten Insektenwelt leisten. Inwieweit die Bestäuber in Soja wie bei Raps oder im Obstbau eine Ertragssteigerung bringen wird aktuell in Brasilien und in den USA untersucht. Allerdings werden dort spätreifere Sorten angebaut, deren Blüten vielfach größer sind und sich weiter öffnen.

Weitere Infos zur Sojabohne in unserer Landschaft finden Sie unter Fruchtfolge.

Autor: Fabian von Beesten, Taifun Tofuprodukte